Lutz Bucklitsch

Menschenrechte & Rechtsextremismus

Reden

Rede zur Kundgebung/ Gründung des Bündnis Mitte gegen Rechts – Lutz Bucklitsch, Bündnis Mitte gegen Rechts (Sprecher)

18. Oktober 2009 von buendnismitte

Einen schönen guten Morgen,

HoS geldiniz – Merhaba, Selam „Salut!“ Moin, moin, Good morning, Hallo! Holla! Bongiorno, Priwiet, Ni hao men, Dzień dobry, konnichiwa, Hej!

Liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger,

es gibt noch weit über 100 andere Formen, um sich hier im Wedding zu begrüßen. Denn wir leben hier mitten in der großen weiten Welt. Mehr als über 100 verschiedene Sprachen spricht man hier.

 

Das nennt man auch auf gut deutsch MultiKulti. Wir haben hier jeden Tag den Karneval der Kulturen! Und das ist auch gut so! Ich begrüße Sie/Euch alle im Namen des Bündnis gegen Rechtsradikalismus zu dieser ersten antifaschistischen Kundgebung unseres Bündnis. Es sind heute einige Hundert Menschen im Wedding gegen die Nazis auf der Straße. Das ist ein erster wichtiger Erfolg der Mobilisierung aus den verschiedenen Bereichen dieses Bezirkes Mitte. Ich begrüße die Kollegen und Kolleginnen aus den Gewerkschaften, die sich dafür entschieden haben, hier in Mitte ihren antifaschistischen Protest auf die Straße zu tragen.

Ich begrüße die vielen migrantischen Teilnehmer und Teilnehmerinnen unserer Kundgebung; viele von Euch sind in Gedanken bei den beiden iranischen Opfern, die brutal am U- Bahnhof Rehberge durch vier Nazis verprügelt wurden, ja fast getötet wurden. Ich begrüße viele Menschen, die hier im Stadtteil wohnen und die es unerträglich finden, dass die Nazis diesen Bezirk heimsuchen wollen.

Ich begrüße die vielen Mitstreiter und Mitstreiterinnen, die von den autonomen und unabhängigen Antifa-Gruppen mobilisiert worden sind; sie haben in den letzten Jahren in vielen Teilen der Bundesrepublik Info- und Mobilisierungsveranstaltungen gegen die Nazi-Banden durchgeführt und dabei deutlich gemacht, wie wichtig es ist, heute gemeinsam gegen diese Nazi-Provokationen aufzutreten.

Und ich begrüße selbstverständlich auch all die anderen, die heute nach Wedding gekommen sind, um ihren Protest gegen die Nazis auszudrücken und einen Beitrag dazu zu leisten, dass die Nazis hier im Wedding, nein in ganz Deutschland kein Bein am Boden bekommen. Die Zeit dieser braunen Schläger ist vorbei! Die Nazis von heute propagieren u.a. den Ausschluss der migrantischen Bevölkerung vom Arbeitsmarkt und aus den sozialen Sicherungssystemen; das von diesen Menschen durch jahrzehntelange Arbeit eingezahlte Geld soll ersatzlos gestrichen werden; Menschen mit Migrationshintergrund vollständig entrechtet und schließlich außer Landes gebracht werden.

Gegen dieses politische Verbrechen gilt es zusammenzustehen; ob am Arbeitsplatz, in der Schule, auf der Straße oder in der Freizeit. Zeigen wir den Nazis gemeinsam und entschlossen, dass wir ihre Hetze nicht dulden und ihren Aktivitäten entgegentreten. Und heute ist es ein Anfang. Der Anfang eines breiten Bürgerbündnisses.

Nazis haben die Aktionsform der Aufmärsche in den letzten zehn Jahren zu einer ständig genutzten Aktionsform gemacht; am liebsten würden sie diese Umzüge als paramilitärische Aufmärsche durchführen – im Gleichschritt, mit HJ- und SA-Liedern und in einheitlicher Uniform. Dem ist entgegen zu treten, klar und deutlich.

Gegen den Faschismus als politisches Verbrechen sind Protest und Widerstand geboten. Dieser kann unterschiedliche Formen annehmen, z.B. die Form des zivilen Ungehorsams, der begrenzten Regelüberschreitungen. Dies haben in der Vergangenheit immer wieder Antifaschisten und Antifaschistinnen getan. Sie haben die Aufmarschroute der Nazis betreten und sind dort geblieben, auch wenn sie von der Polizei zum Weggehen aufgefordert wurden. Je mehr Menschen daran teilnahmen, desto höher waren die politischen Kosten eines Polizei-Einsatzes. Je mehr Menschen daran teilnahmen, desto eher mussten die Nazis frühzeitig nach Hause geschickt werden.

Dieses Bündnis ist ein Zusammenschluß aller relevanten gesellschaftlichen Gruppen. Hier ist JUNG und ALT vertreten. Hier sind Gewerkschafter, Parteienvertreter, Verbände der Migranten, aber auch Menschenrechtsorganisationen dabei. Hilfsorganisationen, wie auch Vereine aus allen möglichen Bereichen. Und es ist ein großer Erfolg, nach so kurzer Zeit ein solches Bündnis auf die Beine zu stellen. Mein Dank gilt hier insbesondere unseren jüngeren Freunden von Jusos und der Antifa. Ohne sie wäre es nicht so schnell gegangen. Und ich möchte hier stellvertretend nur ein Paar Namen nennen, wie Christof, Sebastian und Andreas von den Jusos, wie auch Sebastian aus dem Bereich der Antifa. Von Euch könnten sich manche Politiker eine Scheibe abschneiden!

Ein letztes Wort zur Situation in Berlin. Leider kommt es seit mehr als 12 Monaten verstärkt zu Übergriffen dieser Nazis hier in Berlin, sei es gegen Schwule und Lesben, sei es gegen Besucher dieser Stadt oder aber gegen Bewohner, wie vor einigen Wochen am U-Bahnhof Rehberge, wo zwei iranische Freunde brutal überfallen wurden. Und diese Täter waren keine Drogen- und Alkoholkranke, nein, es waren Nazis der übelsten Sorte. Und am gleichen Tage abends hier am Leopoldplatz, wenige Meter von dieser Stelle hier entfernt, wurden zwei junge Mitbürger überfallen. Das sind leider keine Einzelfälle, das hat System. Weil gleichzeitig NPD`ler Briefe an BVV Politiker geschickt haben, mit der Aufforderung hier alles stehen und liegen zu lassen und dieses Land zu verlassen. Dieser Spuk muss ein Ende haben. Und heute beginnen wir damit.

Es sei mir gestattet noch zwei Anmerkungen zu den beiden iranischen Opfern zu machen. Beide leiden derzeit erheblich an diesem Überfall. Der Ältere, 60 Jahre alt, plagen seit dieser Zeit wieder Albträume. Dem jüngeren von beiden, 55 Jahre alt, ein bekannter iranischer Wissenschaftler musste sich einer schweren Operation unterziehen. Ob er jemals wieder schreiben wird, stellt sich erst endgültig in 1 bis 1 ½ Jahren heraus. Ein unerträglicher Zustand. Und alles nur, weil 4 Nazis ohne Grund über diese beiden hergefallen sind. Wir werden uns das moralische Recht, den Nazis nicht nur politisch, sondern auch möglichst ganz praktisch entgegen zu treten, nicht streitig, geschweige denn nehmen lassen. Ich wünsche uns für heute, Entschlossenheit, Besonnenheit und das notwendige Quentchen Glück. Und bitte unterstützen SIE alle das Bündnis gegen Gewalt.

Wedding – Mitte – nein, Berlin muss NAZI-FREI werden!

Advertisements

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: